27. März 2020

“Liebe Banken, wacht endlich auf!” Ein Kommentar von Johannes Dähnert

Kategorien: Unkategorisiert

Eine positive Nachricht vorab: Es gibt sie noch, die Banken, die unbürokratisch und schnell helfen. Banken, die ihre Kunden sogar anrufen, Unterstützung anbieten, um alle Möglichkeiten auszunutzen und die kleinen Unternehmen tatsächlich helfen. Das wissen wir von unseren Mandanten. Die schlechte Nachricht ist: Diese Banken sind die Ausnahme. Liebe Banken, wacht endlich auf! Ein Kommentar von Johannes Dähnert.

Meine schlimmsten Befürchtungen werden wahr: Unwille, Unwissen, Unfähigkeit

Meine schlimmen Befürchtungen werden wahr. Bundes- und Landesregierung haben die Geldschleusen geöffnet. Aber Unwille, Unwissen und Unfähigkeit machen Banken zu einem Flaschenhals. Das macht viele Banken zu Akteuren, die nicht in der Lage sind, auf die existentiellen Anfragen unserer Mandanten überhaupt nur zu reagieren.

Unwille: Wir hören von Sätzen wie „wir bekommen diese Woche noch keine Entscheidung vom Vorstand.“

Unwissen: Obwohl die KfW im Innenverhältnis die Hausbanken bis zu 90 Prozent von der Haftung freistellt, verlangen Sachbearbeiter bankübliche Sicherheiten für die gesamte Kreditsumme. „Weil wir sonst unsere Haftungsfreistellung verlieren.“

Unfähigkeit: „Wir können Ihren Antrag nicht bearbeiten, jetzt sind erstmal die Handwerker dran.“

Die Politik der Überregulierung rächt sich. Wie soll da Motivation entstehen?

Nun rächt sich die Politik der Überregulierung, die eine Kultur der Angst geschaffen hat. Jahrelang war es für Bankmitarbeiter besser ein Geschäft zu verhindern, als auch nur das geringste Risiko einzugehen.

Nun rächt sich auch, dass Mitarbeiter nicht mehr als menschliches Kapital und verkörperte Visitenkarte von Kreditinstituten gesehen werden. Sie sind zu einem abbaubedürftigen Kostenblock geworden. Die Digitalisierung hat diesen Prozess beschleunigt. Wie soll da Motivation entstehen?

Bankenvorstände: Jetzt ist Führung gefragt!

Die Politik und die Leitung der Banken sind jetzt gefragt! Daher müssen Banken in der Corona-Krise von der Politik aus ihrem starren Regulierungsrahmen zumindest für eine kurze Zeit und für Hilfskredite entlassen werden. Sie müssen dann aber auch über ihren Schatten springen!

Vorstände müssen die anerzogene Verhinderungsposition ihrer Mitarbeiter dringend auflösen. Sonst wird es bald nur noch wenige Kleinunternehmen geben, die Banken brauchen! Das gilt für die Geschäftsbanken aber insbesondere auch für die Sparkassen und Genossenschaftsbanken, die jetzt gefragt sind, ihrem volkswirtschaftlichen Auftrag nachzukommen.

Die existentiell bedrohten Kunden werden es ihnen danken. Oder sie werden sich überlegen, wo sie in Zukunft ihre Bankdienstleistungen erledigen lassen: Bei einer beliebigen Netzbank – die das immer ein bisschen billiger kann – oder der der Hausbank.

Zwei positive Beispiele zum Schluss

Ich wünsche mir, dass die Beispiele der Sparkasse KölnBonn und der Kreissparkasse Düsseldorf Schule machen. Die Kölner sind nach meinem Kenntnisstand landesweit das einzige Kreditinstitut, das einen gut funktionierenden Krisen-Liquiditätsrechner nicht nur zur Verfügung stellt.

Aus den Annahmen des Krisenrechners bieten die Kölner sogar an, die KfW-Hilfe in vollem Umfang und auf eigenes Risiko vorzufinanzieren. Als ähnlich konstruktiv, pragmatisch und hilfsbereit hat sich für unsere Mandanten auch die Kreissparkasse Düsseldorf gezeigt. Deren Mitarbeiter gaben innerhalb von 48 Stunden eine Kreditzusage. So sieht die von der Politik versprochene unbürokratische und schnelle Hilfe in der Praxis aus!

Das ist die Mentalität, die wir gemeinsam in der Krise brauchen. Liebe Banken, wacht endlich auf!

 

Johannes Dähnert

CSO, CCO, CHRO, Partner, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht

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