20. Juli 2021

Statistiken zu Corona-Hilfen in Deutschland

Kategorien: Unkategorisiert

Inhaltsverzeichnis

Wir haben uns in den vergangenen 15 Monaten intensiv mit den Regularien, Anträgen, Sonder- und Ausnahmeregelungen der verschiedenen Corona-Hilfsprogramme beschäftigt. Es war eine Ausnahme-Situation, die außergewöhnliche Anforderungen an alle Beteiligten stellte. Jetzt ist der Moment gekommen, an dem wir die Zahlen dieser historischen staatlichen Hilfen für Sie aufbereiten und einschätzen möchten. Als Basis dazu dienen die offiziellen Statistiken des BMWi (Stand. 12.7.2021).

So umfangreich war die Novemberhilfe

Anzahl der eingegangenen Anträge: 384.751
Anzahl der bewilligten Anträge: 363.374 (94 Prozent)
Beantragte Hilfen: 7,05 Mrd. €
Auszahlungssumme: 6,28 Mrd. € (89 Prozent)

So umfangreich war die Dezemberhilfe

Anzahl der eingegangenen Anträge: 376.352
Anzahl der bewilligten Anträge: 344.110 (91 Prozent)
Beantragte Hilfen: 7,67 Mrd. €
Auszahlungssumme: 6,73 Mrd. € (88 Prozent)

Überbrückungshilfe 3 ist das größte Hilfspaket mit der geringsten Bewilligungsquote

Anzahl der eingegangenen Anträge: 316.734
Anzahl der bewilligten Anträge: 247.407 (78 Prozent)
Beantragte Hilfen: 20,75 Mrd. €
Auszahlungssumme: 13,98 Mrd. € (64 Prozent)

Die Neustarthilfe ist nahezu ausgeschöpft

Anzahl der eingegangenen Anträge: 217.195
Anzahl der bewilligten Anträge: 209.064 (96 Prozent)
Beantragte Hilfen: 1,34 Mrd. €
Auszahlungssumme: 1,28 Mrd. € (95 Prozent)

Unsere Einschätzung

Die Coronahilfen haben ein historisches Ausmaß. Seit dem Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg wurden keine Hilfsprogramme dieses Umfangs notwendig. Wir dürfen aber nicht vergessen, dass es in unserem Land seither auch keine vergleichbare Beschränkung der Wirtschaft und des sozialen Lebens gab.

Die Überbrückungshilfe 3 war umfangreicher und komplexer als die anderen Hilfsprogramme

Die Auszahlungen der Novemberhilfe starteten schlecht. Erst mit der Erweiterung des Beihilferahmens Ende Januar flossen die Hilfen an Unternehmen. Ähnlich verhielt es sich mit der Dezemberhilfe, deren Auszahlungen erst im März, ebenfalls nach einer Beihilfeerweiterung, flossen. Mit Beginn der Überbrückungshilfe 3 liefen die Auszahlungen der Hilfen deutlich besser. Der Bund hatte aus den Erfahrungen gelernt.
Interessant ist, dass nur 78 Prozent der Anträge der Überbrückungshilfe 3 bewilligt wurden. Bei allen anderen Hilfspaketen lagen die Bewilligungsquoten zum Teil deutlich über 90 Prozent. Daran sieht man, dass die Regelungen zur Überbrückungshilfe 3 (Beihilferecht) deutlich komplizierter waren als die der vorherigen Hilfsprogramme. Die Bewilligungsstellen schauen genauer hin und prüfen intensiver. Das wurde im Verlauf der Überbrückungshilfe 3 immer deutlicher.

Überbrückungshilfe 3 Plus steht in den Startlöchern

Für die Überbrückungshilfe 3 können noch bis zum 31. Oktober 2021 Anträge gestellt werden. Wir bei der Ecovis NRW haben noch einige größere Anträge in Bearbeitung. Unternehmen möchten zunächst die Buchhaltung per 30. Juni 2021 abschließen. Der Tag markiert das Ende des Förderzeitraums. So agieren wir bei der Antragstellung mit verlässlichen IST-Zahlen statt mit Planwerten. Die Arbeit mit der Überbrückungshilfe 3 beschäftigt uns noch über die Sommerwochen hinaus, denn es wird bald weitergehen. Die Überbrückungshilfe 3plus steht in den Startlöchern. Sie unterstützt für die Monate Juli bis September 2021.

Das Rückmeldeverfahren läuft noch bis 30. Juni 2022

Und dann gibt es noch das Rückmeldeverfahren, das für alle Hilfen ansteht. Wir werden also noch bis zum 30. Juni 2022 mit den Coronahilfen beschäftigt sein. Und danach wird sicher noch der eine oder andere Zweifelsfall vor den Gerichten geklärt werden müssen.

Masseninsolvenzen sind bisher ausgeblieben

Erfreulich ist, dass aufgrund der groß angelegten Hilfsprogramme das Thema der Masseninsolvenzen noch nicht akut geworden ist. Aktuell gibt es statistisch gesehen eher sehr wenige Insolvenzfälle. Für eine Entwarnung ist es aber noch zu früh. Erst wenn die Zahlungen der Hilfsprogramme auslaufen, wird das Thema Insolvenzen noch einmal akut werden.

Unabhängig davon, wie es weitergeht, bleiben wir für Sie am Ball und informieren Sie über alles, was Sie wissen sollten. Natürlich helfen wir Ihnen, so gut wir können.

Lars Rinkewitz

Prokurist, Steuerberater, Diplom-Kaufmann

Expert:innen zu diesem Thema

Keine passenden Personen gefunden.

Das könnte Sie auch interessieren

  • Als die Corona-Pandemie Anfang 2020 nach Deutschland und Europa kam, waren die politisch Verantwortlichen zum Handeln gezwungen. Es folgte der erste Lockdown im März 2020. Der Bund musste die Auswirkungen der Krise auf die Wirtschaft abfedern und schuf seitdem diverse [...]

    Thomas Müller

    08. Jan 2021

  • Die steuerliche Behandlung von Corona-Hilfen sorgt für viele Fragezeichen. Das Finanzministerium liefert nun erste Infos. Im Ergebnis ist weiterhin unklar, wie Corona-Hilfen steuerlich zu behandeln sind. Das Bundesministerium der Finanzen (BMF) hat sich nun zu dieser Frage geäußert. Allerdings nur [...]

    Lars Rinkewitz

    28. Feb 2022

  • Schlussabrechnungen der Coronahilfen - Wichtige Erkenntnisse und die Suche nach einem prüfenden Dritten

    Die Coronahilfen beschäftigen die deutschen Steuerberatungen noch immer. Sie beschäftigen sich weiterhin mit der Erstellung und Übermittlung der Schlussabrechnungen zu den Überbrückungshilfen sowie den November- und Dezemberhilfen. Hier finden Sie einen Einblick in die Praxis und bisherigen Erfahrungen unseres Steuerteams [...]

    Lars Rinkewitz

    18. Mrz 2024