
16. Februar 2026
Garantien und W&I-Versicherung: So sichern Sie Ihren Unternehmenskauf ab
Inhaltsverzeichnis
Der Kauf eines Unternehmens ist komplex. Die vertraglichen Regelungen im Hinblick auf die Verteilung des Risikos zwischen Signing und Closing sowie die Gewährleistungen des Verkäufers / der Verkäuferin spielen hierbei eine bedeutende Rolle. Eine moderne Lösung, um Haftungsrisiken zu minimieren, ist die sogenannte W&I-Versicherung (Warranty & Indemnity Insurance). Sie bietet Käufer:innen und Verkäufer:innen eine Möglichkeit, Risiken aus Garantieverletzungen oder Schadensersatzansprüchen abzusichern und den Transaktionsprozess effizienter zu gestalten.
Unternehmensübernahmen: Warum gesetzliche Haftung oft nicht ausreicht
Das deutsche Gewährleistungsrecht (§§ 434 ff. BGB) ist für komplexe Unternehmensübernahmen (Share Deals oder Asset Deals) in der Regel nicht geeignet. Das Gesetz orientiert sich am Kauf einzelner Gegenstände, nicht ganzer Unternehmen. Dadurch entstehen in der Praxis mehrere Probleme:
- Eine Nachbesserung oder Reparatur, wie beispielsweise im Falle einer versteckten Insolvenzgefahr, ist faktisch unmöglich.
- Es ist unklar, wann Mängel an einzelnen Gegenständen (§§ 434, 435 BGB) die Haftung für das gesamte Unternehmen auslösen.
- Die gesetzliche Rechtsfolge, insbesondere der Rücktritt vom Kaufvertrag nach dem Vollzug (Closing), ist nicht gewollt.
Selbstständige Garantien und Freistellungen: Was sind die Lösungen in der Praxis?
Um diese Unsicherheiten zu umgehen, schaffen Käufer:innen und Verkäufer:innen im Unternehmenskaufvertrag ein maßgeschneidertes Haftungssystem, bestehend aus selbstständigen Garantien (Warranties) und Freistellungen (Indemnities).
- Garantien (Warranties): Dabei handelt es sich um eigenständige Zusicherungen des Verkäufers / der Verkäuferin über den Zustand des Unternehmens im Sinne des § 311 BGB (z. B. „Alle Jahresabschlüsse sind korrekt").
- Freistellungen (Indemnities): Für bekannte, spezifische Risiken, die bereits im Rahmen der Due Diligence identifiziert wurden (z. B. drohende Steuernachforderungen oder laufende Rechtsstreitigkeiten) werden gesonderte Freistellungen vereinbart.
Umfang und Inhalt der Garantien hängen stets von der Zielgesellschaft und den Ergebnissen der Due Diligence ab. Dadurch entsteht ein flexibles System, das die rechtlichen Risiken einer Transaktion transparent und kontrollierbar macht.
Was sind die Rechtsfolgen einer Garantieverletzung im M&A-Vertrag?
Kommt es nach dem Closing zu einer Verletzung einer Garantie (Warranty Breach), richten sich die Rechtsfolgen nach dem Kaufvertrag. Ziel ist dabei meist kein Rücktritt vom Vertrag, sondern ein finanzieller Ausgleich für den Käufer / die Käuferin. Typische Rechtsfolgen bei Garantieverletzungen sind:
- Naturalrestitution: Wiederherstellung des Zustands, der bestünde, wenn die Garantie zutreffend gewesen wäre.
- Schadensersatz in Geld: Zahlung eines Betrags, der den entstandenen wirtschaftlichen Schaden ausgleicht – die in der Praxis häufigste Form der Kompensation.
Was ist eine W&I Versicherung und wie schützt sie beim Unternehmenskauf?
Die W&I-Versicherung (Warranty & Indemnity Insurance) ist eine spezielle M&A-Versicherung, die finanzielle Risiken aus Garantieverletzungen oder Freistellungsverpflichtungen absichert. Sie tritt an die Stelle des Verkäufers / der Verkäuferin, wenn es nach dem Closing zu einem Schadensfall in Form einer Garantieverletzung (Breach of Warranty) gekommen ist. Der Versicherer fungiert somit als Ersatzschuldner.
In der Praxis wird die Versicherung überwiegend vom Käufer / von der Käuferin abgeschlossen (Buyer-Side Policy). Der/die Verkäufer:in profitiert dennoch unmittelbar, da das Haftungsrisiko auf den Versicherer übergeht und er/sie einen sogenannten „Clean Exit" erhält.
Was sind die Effekte einer W&I-Versicherung?
Ohne W&I-Versicherung: Der/die Verkäufer:in haftet direkt gegenüber dem/der Käufer:in, insbesondere für operative Garantien, und trägt je nach Vertragsgestaltung ein Risiko von bis zu 30 % des Kaufpreises.
Mit W&I-Versicherung:
- Haftungsbefreiung: Das Risiko aus operativen Garantien wird weitgehend auf den Versicherer übertragen.
- Schadensübernahme: Der/die Käufer:in wendet sich im Schadensfall direkt an den Versicherer, nicht an den/die Verkäufer:in.
- Symbolische Resthaftung: Der/die Verkäufer:in haftet häufig nur noch mit einem geringen Eigenanteil (oft 1 €) und bleibt von nachträglichen Forderungen verschont.
Fundamentale Garantien bleiben meist teilweise in der Verkäuferhaftung, da sie das Fundament des Kaufvertrags bilden. Für operative Garantien hingegen bietet die W&I-Versicherung eine nahezu vollständige Risikoübernahme und schafft damit Sicherheit für beide Seiten.
Wann lohnt sich eine W&I-Versicherung?
Der Einsatz einer W&I-Versicherung ist besonders sinnvoll bei:
- Unternehmenskäufen über Private Equity Fonds
- Grenzüberschreitenden Transaktionen
- Verkäufen aus der Insolvenz
- Auktionen mit vielen Bietern
- Verkäufer:innen möchte nicht für längere Zeit haften (z. B. Family Offices, Fonds mit Laufzeitende)
Auch bei Asset Deals kann eine W&I-Versicherung ergänzend sinnvoll sein, insbesondere bei komplexen Garantiekatalogen oder steuerlichen Risiken.
Wie hoch sind die Kosten und wie gestaltet sich der Ablauf einer W&I-Versicherung?
Die Kosten einer W&I-Versicherung hängen von Dealgröße, Branche und Risikoprofil ab. Typischerweise liegen die Prämien zwischen 0,8 % und 2,0 % der versicherten Haftungssumme.
Der Prozess einer W&I-Versicherung:
- Vorprüfung des Kaufvertrags (Underwriting Process)
- Bewertung der Due-Diligence-Ergebnisse
- Abschluss der Versicherung vor Signing oder Closing
- Regelmäßige Berichterstattung bei Schadensfällen
Was sind die Vor- und Nachteile einer W&I-Versicherung für Käufer:innen und Verkäufer:innen?
Für Käufer:innen:
+ Direkte Schadensmeldung beim Versicherer, ohne Streit mit dem/der Verkäufer:in
+ Bessere Liquidität: Kein Warten auf Kaufpreisrücklagen (Escrow)
+ Häufig höhere Haftungscaps und längere Verjährungsfristen
+ Versicherungsprämie muss oft vom/von Verkäufer:in getragen werden
(0,8 % – 2 % der Versicherungssumme)
Für Verkäufer:innen:
+ Schneller Zugriff auf den vollen Kaufpreis
+ Reduzierte Haftung nach Closing („Clean Exit")
+ Attraktiver bei Auktionen oder Private-Equity-Transaktionen
– Selbstbehalt im Schadensfall
Warum W&I-Versicherungen das richtige strategische Instrument für moderne M&A-Transaktionen sind – unsere Einschätzung
W&I-Versicherungen haben sich in den letzten Jahren zu einem zentralen Baustein professioneller M&A-Strukturen entwickelt. Sie schaffen Vertrauen, beschleunigen Prozesse und ermöglichen einen klaren Risikoausgleich zwischen Käufer:in und Verkäufer:in.
Gerade in kompetitiven Bieterprozessen oder bei zeitkritischen Transaktionen kann der gezielte Einsatz einer W&I-Versicherung den entscheidenden Unterschied machen – und sowohl Käufer:in als auch Verkäufer:in rechtlich wie wirtschaftlich absichern. Denn frühzeitige Klarheit ist der Schlüssel für nachhaltige Sanierung und langfristigen Erfolg.
Sie haben Fragen zum Thema Garantien und W&I-Versicherung beim Unternehmenskauf? Unsere Berater Bernhard Görg und Martin Borner unterstützen Sie bei allen Ihren Anliegen. Nehmen Sie einfach Kontakt auf.






