BFH-Urteil: Gewerbeverlust bleibt auch nach Geschäftsveräußerung erhalten
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7. Oktober 2024

BFH-Urteil: Gewerbeverlust bleibt bei GmbH trotz Unternehmensveräußerung erhalten

Kategorien: Steuerberatung

Inhaltsverzeichnis

Das Bundesfinanzhof (BFH) hat am 25. April 2024 (Az.: III R 30/21) entschieden, dass eine GmbH, die durch Anwachsung den Gewerbeverlust einer Personengesellschaft übernommen hat, diesen Verlust auch nach einer Veräußerung des verlustverursachenden Geschäftsbereichs behalten kann. Dies gilt unabhängig von einer möglichen Veränderung der wirtschaftlichen Tätigkeit der GmbH.  

Ausgangslage: Veräußerung des Geschäftsbetriebs

Die Klägerin, eine GmbH, übernahm im Jahr 2011 durch Anwachsung den Gewerbeverlust einer GmbH & Co. KG, bei der sie zuvor als Kommanditistin mit 100 % Beteiligung fungierte. Nach der Verschmelzung der Komplementärin auf die KG ging das gesamte Vermögen der KG auf die GmbH über. Der von der KG übernommene Gewerbeverlust wurde in den Feststellungsbescheiden für die Jahre 2011 und 2012 bestätigt. 

Im Jahr 2013 veräußerte die GmbH ihr operatives Geschäft im Rahmen eines Asset Deals an eine andere GmbH. Das Finanzamt vertrat die Auffassung, dass durch die Veräußerung die Unternehmensidentität verloren gegangen sei und daher der vortragsfähige Gewerbeverlust entfallen müsse. Daraufhin erließ es entsprechende Änderungsbescheide, welche den Verlust nicht mehr berücksichtigten. 

Lesen Sie auch unseren Beitrag zum Thema Asset Deals: Die sechs Stolpersteine beim Unternehmenskauf. 

Das Urteil: Unternehmensidentität bleibt gewahrt

Sowohl das Finanzgericht Sachsen (Az.: 5 K 114/19) als auch der BFH widersprachen dieser Sichtweise. Der BFH stellte klar, dass bei Kapitalgesellschaften die Unternehmensidentität gemäß § 2 Abs. 2 Satz 1 Gewerbesteuergesetz (GewStG) nicht beeinträchtigt werde. Der Gewerbebetrieb einer Kapitalgesellschaft gilt grundsätzlich in vollem Umfang als einheitlich und identisch, selbst wenn ein Teil des Betriebs, wie in diesem Fall der verlustverursachende Geschäftsbereich, veräußert wird. Dies bedeutet, dass die GmbH weiterhin den von der KG übernommenen Gewerbeverlust nutzen kann. 

Keine Auswirkung auf die Verlustnutzung bei Kapitalgesellschaften

Der BFH betonte, dass die Unternehmensidentität bei Kapitalgesellschaften im Gegensatz zu Personengesellschaften grundsätzlich unproblematisch sei. Das Erfordernis der Unternehmensidentität, das für die Nutzung von Gewerbeverlusten gemäß § 10a GewStG relevant ist, sei im Falle von Kapitalgesellschaften nicht entscheidend, da deren Tätigkeit immer als einheitlicher Gewerbebetrieb angesehen wird. 

Rechtliche Bedeutung des Urteils

Das Urteil verdeutlicht die Sonderstellung von Kapitalgesellschaften im Gewerbesteuerrecht. Der BFH entschied, dass eine Änderung der wirtschaftlichen Betätigung, wie sie durch den Asset Deal erfolgt ist, keinen Einfluss auf den Fortbestand des Gewerbeverlusts hat. Um zu einem anderen Ergebnis zu gelangen, wäre eine gesetzliche Änderung erforderlich. Bis dahin bleibt der Grundsatz der Einheitlichkeit des Gewerbebetriebs bei Kapitalgesellschaften maßgeblich. 

Für Unternehmen bedeutet dies, dass der Verlustvortrag auch bei einer Veräußerung von Unternehmensteilen unter bestimmten Bedingungen erhalten bleibt. Dies ist insbesondere für GmbHs relevant, die durch Anwachsung Gewerbeverluste von Personengesellschaften übernommen haben. 

Unsere Einschätzung

Aus steuerlicher Sicht stellt das Urteil des BFH eine bedeutende Klarstellung für Kapitalgesellschaften dar. Insbesondere für GmbHs, die durch Anwachsung Gewerbeverluste von Personengesellschaften übernommen haben, eröffnet das Urteil zusätzliche Gestaltungsspielräume. Die Entscheidung, dass der Verlustvortrag trotz der Veräußerung eines Geschäftsbereichs erhalten bleibt, schafft Planungssicherheit für Unternehmen, die Umstrukturierungen oder Veräußerungen erwägen. 

Für die Praxis bedeutet dies, dass Unternehmen bei Transaktionen sorgfältig prüfen sollten, ob ein Verlustvortrag auch nach einer Veräußerung weiterhin genutzt werden kann. Das Urteil verdeutlicht, dass die Unternehmensidentität bei Kapitalgesellschaften nicht so leicht infrage gestellt wird, wie es bei Personengesellschaften der Fall wäre. Eine gute Abstimmung mit den steuerlichen Berater:innen ist hierbei essenziell, um die Vorteile aus diesem Urteil optimal auszuschöpfen und potenzielle Risiken zu vermeiden. Wenden Sie sich bei Fragen vertrauensvoll an unseren Steuerberater Michael Simon. 

Michael Simon

Partner und Steuerberater

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