6. Juli 2020

Begriff „Webinar“ ist markenrechtlich geschützt: Alternative Begriffe nutzen

Kategorien: Unkategorisiert

Aufgrund der Corona-Pandemie haben einige Begriffe einen echten Hype erlebt. Dazu zählt neben “Homeoffice” oder “Zoom-Konferenzen” auch „Webinar“. Doch der Begriff “Webinar” ist markenrechtlich geschützt. Wir erklären, was Sie beachten müssen.

Immer wieder ist in deutschen Firmen beispielsweise der Satz: „Zu diesem Thema sollten wir einmal ein Webinar machen“ zu hören. Auch wir haben in der Vergangenheit bereits dazu eingeladen. Doch Vorsicht: Der Begriff „Webinar“ ist markenrechtlich geschützt. Wer ihn im geschäftlichen Verkehr verwendet, setzt sich der Gefahr aus, abgemahnt zu werden. Das gilt auch für den Plural „Webinare”.

Nutzung von “Webinar” kann zur Abmahnung führen

Denn auch wenn der Begriff, der ein interaktives (Online-)Seminar beschreibt, bereits fest in den Sprachgebrauch vieler Menschen übergegangen ist, ist er seit dem 26. März 2003 geschützt. Webinar wurde als Wortmarke beim Deutschen Patent- und Markenamt (DPMA) angemeldet und genießt deshalb – und zunächst bis zum 31. März 2023 – markenrechtlichen Schutz. Wer sich allerdings zu einem externen Webinar anmeldet und daran teilnimmt, hat nichts zu befürchten.

Geschäftliche Nutzung des Ausdrucks „Webinar” kann zur Abmahnung führen

Wer die Bezeichnung Webinar im geschäftlichen Verkehr verwendet, läuft Gefahr, vom Markeninhaber mit Sitz in Kuala Lumpur, Malaysia, kostenpflichtig abgemahnt zu werden. Vertreten wird dieser von einer Rechtsanwaltskanzlei aus Wiesbaden (LEGISPRO Rechtsanwälte).

Markenrechtlicher Schutz des Begriffs “Webinar” umstritten

Trotz des Eintrags beim Deutschen Patent- und Markenamt gibt es auch Gegenstimmen zur Aussage „der Begriff ,Webinar’ ist markenrechtlich geschützt”. So schreibt der Deutsche Journalistenverband (DJV) auf seiner Website unter der Überschrift „Der Begriff ,Webinare‘ dürfte ein Allgemeinbegriff sein und markenrechtlich keinen Schutz genießen”, dass derjenige, der ihn benutzt, wohl eher nicht mit einer kostenpflichtigen Abmahnung rechnen muss. Auch einige Fachjuristen sehen das so. Aus rechtlicher Sicht kann man in der Tat gut argumentieren, dass der Begriff Webinar im unserem heutigen Sprachgebrauch beschreibend ist und deshalb als Marke nicht schutzfähig. Auf der anderen Seite warnt beispielsweise der Deutsche Olympische Sportbund seine Mitgliedsorganisationen davor, den Begriff zu nutzen.

Unsere Empfehlung

Auch wenn es noch kein Urteil gibt, schließen wir uns der eher defensiven Haltung an und empfehlen präventiv, den Begriff Webinar erst einmal nicht weiter zu benutzen. Für Sie hier ein Überblick an alternativen Begriffen:

  • Online-Seminar
  • Digitales Seminar
  • Online-Kurs
  • Virtueller Vortrag
  • Web-Seminar
  • Online-Workshop

Bitte achten Sie darauf, zukünftig einen dieser Alternativbegriffe zu verwenden. Passen Sie außerdem bestehende Veröffentlichungen an, um sicher zu gehen, dass Sie keine kostenpflichtige Abmahnung riskieren. Sollten Sie eine Abmahnung erhalten (haben), melden Sie sich gerne. Wie bereits ausgeführt, sprechen gute Argumente dafür, die Abmahnung zurückzuweisen.

Marcus Büscher

Partner, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht

Expert:innen zu diesem Thema

Keine passenden Personen gefunden.

Das könnte Sie auch interessieren

  • Start Ups / Venture Capital | Haben Sie schon alle potenziellen Stolpersteine bei der Gründung bedacht? Jährlich entstehen in Deutschland laut Institut für Mittelstandsforschung etwa eine halbe Million neue Unternehmen. Leider lösen sich fast genauso viele innerhalb kurzer Zeit wieder auf. Lassen Sie sich nicht von möglichen Kosten abschrecken, professionelle Unterstützung in Anspruch zu nehmen. Schon in der Vorgründungsphase kann ein Experte Sie vor unangenehmen Überraschungen oder späteren Problemen, zum Beispiel mit dem Finanzamt, bewahren. Oft amortisiert sich die Gründungsberatung durch die Einbindung von Fördermitteln, etwa durch die Optimierung Ihrer Finanzierungsstruktur. In vielen Fällen kann sogar die Beratung selbst gefördert werden.

    Viele Start-ups sind an der Einführung nachhaltiger Entlohnungsmodelle interessiert. Diese binden Mitarbeiter:innen langfristig ans Unternehmen, steigern ihre Motivation und schaffen Identifikation mit selbigem. Mitarbeiterbeteiligungsprogramme sollen Anreize schaffen, die Arbeitskraft auch zukünftig bestmöglich einzusetzen und die Mitarbeiter:innen an der Wertsteigerung des [...]

    Büsra Karadag

    07. Mai 2024

  • DAC7 und das Plattformen-Steuertransparenzgesetz (PStTG).jpg

    Am 1. Januar 2023 ist das Plattformen-Steuertransparenzgesetz (kurz: PStTG) in Kraft getreten. Damit wird die aktuelle europäische DAC7-Richtlinie in deutsches Recht umgesetzt. Dieses Gesetz regelt, welche Informationen zu Geschäften auf Online-Plattformen mit den Steuerbehörden geteilt werden müssen. Das neue Gesetz [...]

    Lars Rinkewitz

    16. Jan 2023

  • In unserem ersten Beitrag der Serie „Start-up-Unternehmen“ befasst sich unser Experte Thomas Budzynski mit der Gründungsphase eines Unternehmens und erklärt, wieso es bei der Gründung eines Start-ups auf die richtige Rechtsform ankommt. Viele Gründer:innen wollen verständlicherweise in der Startphase ihres [...]

    Thomas Budzynski

    03. Mrz 2021