1. September 2021

Green Finance: Bilanzierung grüner Finanzierungen

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Das Thema „grüne Finanzierung“ oder „Green Finance“ hat in den letzten Jahren stark an Bedeutung gewonnen. Nicht zuletzt der European Green Deal und die Empfehlungen des Sustainable Finance Beirats der Bundesregierung haben dieses Thema in den Vordergrund gerückt. Ziel der Bestrebungen auf nationaler, europäischer und auch internationaler Ebene ist die Transformation hin zu nachhaltigeren Volkswirtschaften. Welche Voraussetzungen dazu erfüllt werden müssen, was grüne Finanzierungen und Beispiele für Green Finance sind und alles zur Bilanzierung grüner Finanzierungen erfahren Sie in diesem Beitrag.

Green Finance Verordnungen: Nachhaltige Produkte und Projekte für grüne Finanzierungen

Die Finanzwirtschaft soll einen wesentlichen Beitrag zur Transformation der Realwirtschaft hin zur grüneren Volkswirtschaft leisten. Ihre Aufgabe: Sie lenken Finanzströme in nachhaltigere Produkte und Projekte. Das Schlagwort dafür lautet: Shifting the Trillions!

Diese Umschichtung soll durch eine erhöhte Transparenz der Unternehmen in ihrer Finanzberichterstattung erreicht werden. Beispiele sind die EU-Taxonomie-Verordnung, in der Veröffentlichungspflichten für Unternehmen vorgesehen sind. Auch die Neufassung der EU-CSR-Richtlinie, gehört dazu — ihr Anwendungsbereich soll ausgeweitet werden.

Grüne Geldanlagen: Was ist Green Finance?

An den Finanzmärkten werden immer mehr Produkte angeboten, die als grün beworben werden. Ihre Ausgestaltung reicht von Finanzinstrumenten, die sich nur geringfügig von klassischen Darlehen unterscheiden, bis zu solchen, die umfassend grün, also ESG-konform sind. Das nennt man full green exposure. Green Bonds sind die am meisten verbreitete Anlageform.

Ein wesentliches Merkmal aller grünen Finanzierungen ist ein Bezug zu Projekten, die sich in diesen Bereichen abspielen:

  • erneuerbare Energien,
  • Energieeffizienz,
  • Verschmutzungsprävention,
  • anderen nachhaltigen Wirtschaftsbereichen oder
  • Transformation, zum Beispiel in eine Kreislaufwirtschaft.

Bilanzierung grüner Finanzierungen: International Financial Reporting Standards (IFRS-Standards) und das Handelsgesetzbuch (HGB)

In der bilanziellen Praxis stellt sich die ganz konkrete Frage: Welche bilanziellen Auswirkungen ergeben sich, wenn ein Finanzinstrument — zum Beispiel ein Darlehen oder eine Anleihe — grün ist?

Dabei ergeben sich zunächst zwei Perspektiven:

  • Die Perspektive der Emittenten.
  • Die Perspektive der Investierenden.

Daran schließt sich die Frage des Rechnungslegungsstandards an, nach welchem die Investierenden und die Emittenten bilanzieren. In Deutschland dürften in erster Linie die International Financial Reporting Standards (IFRS-Standards) und das Handelsgesetzbuch (HGB) relevant sein.

IFRS 9 oder HBG: Es gibt keine besonderen Rechnungslegungsvorschriften für grüne Finanzierungen

Weder die IFRS noch das HGB kennen besondere Vorschriften für die Bilanzierung von grünen Finanzinstrumenten. Obwohl der IFRS 9 erst 2014 verabschiedet wurde, hatte das Thema zu diesem Zeitpunkt noch nicht die Relevanz, die es heute hat. Dies bedeutet, dass die Bilanzierung nach den allgemeinen Regeln für Finanzinstrumente bzw. Vermögensgegenstände und Schulden erfolgt.

Bilanzierung nach den International Financial Reporting Standards (IFRS)

Nach den International Financial Reporting Standards (IFRS) sind Finanzinstrumente zunächst einer Kategorie zuzuordnen, an die sich dann die Bilanzierung zum Erwerbszeitpunkt und die Folgebilanzierung knüpft. Die Bewertung erfolgt entweder zu fortgeführten Anschaffungskosten oder zum Fair Value. Entscheidend hierfür sind zunächst zwei Faktoren, die Geschäftsmodell- und die Zahlungsstrombedingung. Hierbei wird nach der Strategie der Investierenden gefragt, nämlich, ob das erworbene Wertpapier gehalten oder weiterveräußert werden soll. Ist beabsichtigt, das Instrument zu halten, so ist im zweiten Schritt zu untersuchen, welche Cash Flows aus dem Instrument erzielt werden (Zahlungsstrombedingung).

In Bezug auf grüne Finanzierungen ist hierbei insbesondere relevant, wie sich das grüne Kriterium des Instruments auf Zahlungsströme auswirken kann. Beispielsweise wenn steigende CO2-Emission zu höheren Zinszahlungen führen.

Bilanzierung nach dem Handelsgesetzbuch (HGB)

Die Bilanzierung erfolgt ebenso wie im Fall der International Financial Reporting Standards (IFRS) nach den allgemeinen Bilanzierungsvorschriften, da bislang keine speziellen Vorschriften für grüne Finanzierungen existieren.

In Bezug auf den Nachhaltigkeitsfaktor einer grünen Finanzierung stellt sich insbesondere die Frage, ob ein strukturiertes Finanzinstrument vorliegt. Das heißt, die grüne Finanzierung enthält ein eingebettetes Derivat. Beispielsweise, wenn nicht erreichte CO2-Einsparungsziele zu steigenden Zinsen führen. Eingebettete Derivate sind separat zu bilanzieren und führen häufig zum Ansatz von Rückstellungen. Dadurch wird das Unternehmensergebnis belastet.

Unsere Einschätzung

Die Bedeutung grüner Finanzierungen hat in den letzten Jahren stark zugenommen und wird vermutlich auch in den nächsten Jahren noch an Fahrt aufnehmen. Für Unternehmen, die sich über grüne Finanzinstrumente finanzieren oder in solche investieren wollen, stellt sich die Frage, welche bilanziellen Auswirkungen damit verbunden sind. Es kommt dabei sehr stark auf die konkrete Ausgestaltung des Instruments an, an die sich dann die Bilanzierung anschließt. Wir empfehlen Emittenten und Investierenden in jedem Fall eine genaue Prüfung vor dem Kauf bzw. der Ausgabe grüner Finanzierungen, da sonst unter Umständen unerwünschte bilanzielle Effekte entstehen können. Hierbei unterstützen wir Sie gerne.

Thilo Marenbach

Partner, Vorstand, Steuerberater, Wirtschaftsprüfer, Sustainability Auditor

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