
7. Oktober 2026
Steuerabzug nach § 50a EStG: Neues BZSt-Verfahren ab Dezember 2026
Inhaltsverzeichnis
Inländische Vergütungsschuldner, die Vergütungen an im Ausland ansässige Künstler:innen, Sportler:innen, Lizenzgeber, Aufsichtsratsmitglieder oder andere beschränkt Steuerpflichtige zahlen, sollten sich jetzt auf eine wichtige Änderung einstellen: Das Bundeszentralamt für Steuern (BZSt) stellt die Steueranmeldung nach § 50a EStG im Dezember 2026 technisch auf das BZSt Online-Portal (BOP) um. Dabei handelt es sich nicht lediglich um einen Wechsel der Benutzeroberfläche. Auch die Anforderungen an die bei der Steueranmeldung zu übermittelnden Daten ändern sich.
Was ändert sich beim Verfahren für den Steuerabzug nach § 50a EStG?
Neue Übermittlung über das BZSt Online-Portal
Die Steueranmeldung nach § 50a EStG wird künftig über das neue BZSt Online-Portal (BOP) abgegeben.
Für die Anmeldung kann grundsätzlich das bereits vorhandene ELSTER-Zertifikat weiterverwendet werden.
Warum ist bereits das 4. Quartal 2026 betroffen?
Besonders wichtig ist die zeitliche Einordnung:
Die neuen Vorgaben sind grundsätzlich bereits für die Steueranmeldung des 4. Quartals 2026 relevant, also für Vergütungen, die ab dem 01.10.2026 gezahlt bzw. zugeflossen sind.
- 01.10.2026: Beginn des relevanten Zeitraums
- 01.12.2026: Umstellung auf das neue Verfahren
- 10.01.2027: reguläre Frist für die Anmeldung und Abführung der im 4. Quartal 2026 einbehaltenen Steuer
Die Umstellung sollte daher nicht erst im Dezember 2026 vorbereitet werden.
Mit der Umstellung werden zusätzliche Informationen abgefragt. Dazu gehören beispielsweise – soweit vorhanden – die ausländische steuerliche Identifikationsnummer sowie bei natürlichen Personen das Geburtsdatum des Vergütungsgläubigers.
Was gilt bei mehr als 100 Vergütungsgläubigern?
Auch hier bringt das neue Verfahren eine wichtige Änderung: Bis zu 100 Vergütungsgläubiger können direkt im Formular erfasst werden. Bei mehr als 100 Vergütungsgläubigern ist der Import über eine CSV-Datei zwingend erforderlich. Hierfür stellt das BZSt eine entsprechende CSV-Vorlage und Anleitung zur Verfügung.
Was bedeutet die Umstellung für die Praxis?
Die technische Umstellung kann erhebliche Auswirkungen auf bestehende Prozesse haben.
Unternehmen sollten insbesondere prüfen:
- Welche Zahlungen unterliegen überhaupt dem Steuerabzug nach § 50a EStG?
- Liegen die künftig benötigten Stammdaten bereits vollständig vor?
- Sind insbesondere Geburtsdaten und ausländische Steuer-IDs verfügbar?
- Können die verschiedenen Arten der Rechteüberlassung eindeutig bestimmt werden?
- Ist die Datenstruktur für den CSV-Import geeignet?
- Ist das ELSTER-Zertifikat verfügbar und funktionsfähig?
- Sind die Zuständigkeiten für Erstellung, Prüfung, Übermittlung und Zahlung der §-50a-Anmeldung intern geklärt?
Unsere Einschätzung: Die Umstellung als Prozess- und Datenprojekt planen
Gerade bei Lizenzzahlungen und wiederkehrenden Vergütungen besteht das Risiko, dass die erforderlichen Informationen bislang gar nicht systematisch erhoben werden. Ein Geburtsdatum oder eine ausländische Steuer-ID ist beispielsweise nicht zwingend Bestandteil der klassischen Kreditorenstammdaten. Auch die Einordnung der Art der Rechteüberlassung sollte nicht erst bei Erstellung der Steueranmeldung vorgenommen werden. Empfehlung: Die Umstellung sollte als Prozess- und Datenprojekt betrachtet werden, nicht lediglich als technische Änderung des Anmeldeportals. Für weitere Fragen steht Ihnen unsere Expertin Anna Parys zur Seite. Nehmen Sie einfach Kontakt auf.
FAQ zum Steuerabzug nach § 50a EStG
Ab wann gilt das neue Anmeldeverfahren für den Steuerabzug nach § 50a EStG?
Das neue Anmeldeverfahren wird am 01.12.2026 technisch auf das BZSt online.portal (BOP) umgestellt. Relevanz entfaltet das Verfahren jedoch bereits für das gesamte 4. Quartal 2026 und somit für alle Vergütungen, die ab dem 01.10.2026 zufließen. Die reguläre Anmelde- und Abführungsfrist für diesen Zeitraum endet schließlich am 10.01.2027.
Benötige ich für das neue BZSt online.portal (BOP) einen neuen Zugang?
Nein, für die Steueranmeldung über das BZSt online.portal ist in der Regel kein völlig neuer Zugang erforderlich. Sie bzw. Ihre Mitarbeiter:innen können grundsätzlich das bereits im Unternehmen vorhandene ELSTER-Zertifikat für die Authentifizierung weiterverwenden. Es sollte lediglich vorab geprüft werden, ob das Zertifikat einsatzbereit ist und die entsprechenden Zugriffsrechte für Verantwortliche vorliegen.
Ab wann muss ich die CSV-Importvorlage des BZSt zwingend nutzen?
Die CSV-Importvorlage des BZSt muss verpflichtend genutzt werden, sobald im Anmeldezeitraum mehr als 100 Vergütungsgläubiger erfasst werden sollen. Bei bis zu 100 Vergütungsgläubigern können die Daten weiterhin direkt manuell über das Formular im BZSt online.portal eingegeben werden. Für die ordnungsgemäße Übermittlung stellt das BZSt eine spezifische CSV-Vorlage samt Anleitung bereit.
Welche neuen Datenpunkte müssen für ausländische Vergütungsgläubiger erhoben werden?
Künftig verlangt das BZSt mit der Umstellung auf das neue Formular zusätzliche Stammdaten von den ausländischen Vergütungsgläubigern. Hierzu zählen bei natürlichen Personen verpflichtend das Geburtsdatum sowie – sofern vorhanden – die ausländische steuerliche Identifikationsnummer. Zudem muss die Art der Rechteüberlassung im Detail eindeutig bestimmt und angegeben werden.
Warum sollten Unternehmen ihre Stammdatenprozesse schon vor dem 01.12.2026 anpassen?
Die ab Oktober 2026 relevanten Zusatzinformationen wie Geburtsdaten oder ausländische Steuer-IDs sind standardmäßig oft nicht in den Kreditorenstammdaten von Geschäftspartner:innen enthalten. Eine frühzeitige Prozessanpassung stellt sicher, dass alle Daten rechtzeitig vor der ersten Steueranmeldung im BZSt online.portal vollständig vorliegen. Zudem vermeiden Unternehmen so Engpässe und Verzögerungen kurz vor Ablauf der gesetzlichen Abgabefrist am 10.01.2027.






