Kosten für Erdgas und Wärme steigen ab 2024 teils massiv
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16. November 2023

Kosten für Erdgas und Wärme steigen ab 2024 teils massiv

Kategorien: Steuerberatung

Der Preis auf Erdgas hat sich in der Vergangenheit stetig nach oben entwickelt. Seit dem Ukraine-Krieg gab es einige Preissteigerungen. Der Gesetzgeber hat in der Vergangenheit reagiert und Maßnahmen ergriffen. Beispiele sind die Energiepreisbremse und die Reduzierung des Umsatzsteuersatzes von regulär 19 Prozent auf 7 Prozent für die Lieferungen von Erdgas über das Erdgasnetz und Wärme über das Wärmenetz.

Der reduzierte Steuersatz für Erdgas gilt nur bis zum 29.02.2024

Ab dem 1. Oktober 2022 gilt daher für diese Lieferungen ein reduzierter Umsatzsteuersatz von 7 Prozent. Im Gesetz war bereits angelegt, dass diese Reduzierung des Steuersatzes nur bis zum 31.03.2024 gelten sollte. Immerhin bedeutete das eine erhebliche Reduzierung der Energiekosten für viele Letztverbraucher. Im Spätsommer kamen bereits erste Diskussionen auf, den Steuersatz bereits ab dem 1.1.2024 wieder auf regulär 19 Punkte zu erhöhen. Offiziell war dies jedoch nicht.

Reduzierter Steuersatz auf Erdgas: Das empfiehlt der Finanzausschuss

Nunmehr hat sich der Finanzausschuss des Deutschen Bundestages zum Wachstumschancengesetz geäußert und in seiner Beschlussempfehlung ein Auslaufen des reduzierten Steuersatzes zum 29.2.2024 empfohlen. Final ist das jedoch noch nicht. Die Abgeordneten des Deutschen Bundestages befassen sich am Freitag, 17. November 2023 abschließend mit dem Wachstumschancengesetz. Der Bundesrat wird voraussichtlich am 15. Dezember 2023 darüber abstimmen.

Wird die Beschlussempfehlung des Finanzausschusses so umgesetzt, gilt ab dem 1.3.2024 wieder der Regelsteuersatz von 19 Prozent auf die Lieferung von Gas über das Erdgasnetz und die Lieferung von Wärme über ein Wärmenetz. Daher dürften Diskussionen, ein Auslaufen bereits zum 31.12.2023 zu beschließen, vom Tisch sein.

Unsere Einschätzung

Nach Stand der Dinge werden neben

  •   der allgemeinen Preissteigerungen für Erdgas,
  •   den erhöhten Kosten durch das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEGH) mit einem Zertifikatepreis von 40 EUR ab 2024 (siehe Entwurf des Haushaltfinanzierungsgesetz)
  •   und jetzt dem voraussichtlichen Auslaufen der Energiesteuerentlastungen auf Erdgas

weitere zusätzliche Kosten auf viele Letztverbraucher zukommen.

Zurzeit heben die Gasversorger die Preise teilweise massiv an. Jeder Letztverbraucher sollte darauf achten, wie die Preissteigerung im Einzelnen aussieht. In vielen Fällen ist sowohl der erhöhte Zertifikatepreis, der derzeit noch bei 30 Euro liegt, als auch die Umsatzsteuererhöhung in der Preisanhebung noch nicht enthalten. Beides ist noch nicht final beschlossen. Wir erwarten weitere Preis-Erhöhungen der Versorger für Erdgas und Wärme durch diese Maßnahmen, die das Gesetzgebungsverfahren passiert haben. Letztverbraucher müssen daher mit massiv steigenden Preisen rechnen.  

 

Tino Wunderlich

Associate Partner, Rechtsanwalt, Steuerberater, Bereich Energiesteuern

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