Claus Brockhaus Fachkräfte
Claus Brockhaus

28. Juni 2023

Anwerbung im Ausland: Das neue Einwanderungsgesetz für Fachkräfte

Kategorien: Allgemein

Inhaltsverzeichnis

Am 23. Juni 2023 hat der Bundestag über das neue Fachkräfteeinwanderungsgesetz entschieden.   Mit einer gezielten und gesteuerten Einwanderung aus Drittstaaten will die Bundesrepublik zusätzliche Fachkräfte gewinnen. Alles, was Sie zum neuen Gesetz wissen müssen, erfahren Sie hier.

Ein Gastbeitrag von Claus Brockhaus

Warum braucht Deutschland ausländische Fachkräfte?

Experten gehen bis 2035 von sieben Millionen fehlenden Fachkräften aus. Auch darum hat die Bundesregierung die neue Chancenkarte und den sogenannten Spurwechsel ins Leben gerufen. Beide Maßnahmen sollen ausländischen Fachkräften die Einwanderung nach Deutschland schmackhaft machen.

Die Blaue Karte EU für Menschen mit Hochschulabschluss aus dem Nicht-EU-Ausland, bleibt mit einer Anpassung bestehen. Die Gehaltsschwelle, ab der man eine Blue Card für Regelberufe erlangen kann, wird wegen der Herabsetzung der Beitragsbemessungsgrenze von 58.400 Euro brutto jährlich auf 43.800 Euro im Jahr 2023 deutlich abgesenkt.

Einwanderung von Fachkräften: Was ist die Chancenkarte?

Die Chancenkarte kommt 2024 und basiert auf einem Modell, das dem Einwanderungsmodell und Punktesystem Kanadas ähnelt. Voraussetzung dafür ist eine abgeschlossene, ausländische Berufsausbildung oder ein Hochschulabschluss. Auf der Chancenkarte werden Punkte für zwölf Kriterien, unter anderem Alter, Sprachkenntnisse, Qualifikationen und Deutschlandbezug, vergeben. Die Mindestanforderung der Sprachkenntnisse wurde von A2 auf A1 herabgestuft. Sechs gesammelte Punkte berechtigen zur einjährigen Arbeitssuche in Deutschland und die Aufenthaltskarte kann einmalig um zwei Jahre verlängert werden

Können auch Menschen mit Aufenthaltsgenehmigung und Asylbewerberstatus Fachkräfte werden?

Anerkannte Flüchtlinge dürfen jetzt schon arbeiten. Der Gesetzgeber will aber auch Asylbewerber:innen, deren Aussicht auf den Asylstatus gering ist, mit dem sogenannten Spurwechsel den Weg in die Arbeitswelt ebnen. Dieser ermöglicht Menschen die Beantragung einer Aufenthaltserlaubnis als Fachkraft, indem sie ihr Asylverfahren durch Antragsrücknahme beenden. Das ist jedoch nur rückwirkend bei Einreisen vor dem 29. März 2023 möglich, um keine falschen Anreize zu schaffen. Menschen mit Aufenthaltsgenehmigung mussten bislang für eine Arbeitserlaubnis erst zurückreisen und ein Arbeitsvisum beantragen. Diese Hürde fällt jetzt weg. Ein Visumswechsel soll während des Aufenthalts möglich sein.

Welche wichtigen Neuerungen bringt das neue Gesetz für Fachkräfte?

Das neue Gesetz soll auch die Bildungsmigration nach Deutschland fördern. Das geplante Hochsetzen des Höchstalters von 25 auf 35 Jahre zur Erteilung des Aufenthaltstitels, erleichtert die Ausbildungsplatzsuche erheblich. Zudem ist eine Beschäftigung oder Probebeschäftigung während des neuen neunmonatigen Aufenthaltstitels erlaubt. Ausländische Studierende dürfen ab jetzt auch als Werkstudenten arbeiten.

Gibt es Familiennachzug für ausländische Fachkräfte?

Bisher durften Fachkräfte nur ihre Ehepartner:innen und Kinder, also ihre Kernfamilie, aus dem Ausland zu sich holen. In Zukunft soll diese Regelung sich auch auf die Eltern und Schwiegereltern der Fachkräfte ausweiten. Das steht aber noch nicht final fest.

Unsere Einschätzung

Das Einwanderungsgesetz ist ein wichtiger Schritt zur Linderung des Fachkräftemangels in Deutschland. Es bietet ausländischen Fachkräften attraktive Möglichkeiten. Es bleibt abzuwarten, wie effektiv die Umsetzung des Gesetzes sein wird und welchen langfristigen Einfluss es auf den Arbeitsmarkt und die Gesellschaft haben wird. Wenn Sie Fragen zur Arbeitserlaubnis von ausländischen Fachkräften haben, sprechen Sie uns gerne an.

 

Johannes Dähnert

CSO, Partner, Rechtsanwalt, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht

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